«Am Ende hat die Krankheit die Lebensgeschichte der Betroffenen weggefressen.»

Christoph Held im Interview mit dem Beobachter, 13.4.2018

Christoph Held, 67, war Heimarzt und Gerontopsychiater in den Pflegezentren der Stadt Zürich. Er ist Autor von Fachbüchern und Erzählungen rund um das Thema Demenz; sein neuestes Buch «Bewohner» mit Lebensgeschichten von Alzheimerpatienten ist 2017 bei Dörlemann erschienen.

15. April 2018 von DL
11. Apr 15
Freischaffende Hebammen sind in den letzten Jahren unter Druck geraten.
10. Apr 15
Meine Freundin X darf man getrost als echte Veteranin der fleischlichen Lüste bezeichnen, ohne ihr zu nahe zu treten. Über «50 Shades of Grey» kann sie, wie jeder Mensch mit eigenen Erfahrungen im Bereich (BDSM1), nur müde lächeln.
07. Apr 15
Irgendwas stimmt auf unseren Tellern nicht mehr. Wir haben eine ganze Reihe von Krankheiten, die es vor ein paar Jahrzehnten noch gar nicht gab. Und die fordern inzwischen Millionen von Menschenleben.
06. Apr 15
Mein Vater, ein überzeugter Nazi, hat sich öffentlich getötet. Er trank eine Flasche Zyankali aus. Das war 1969 auf dem Kirchentag in Stuttgart vor etwa 2000 Menschen, bei einer Lesung von Günter Grass.
04. Apr 15
Bei mir wurde ein Krebstumor am rechten Ohr diagnostiziert. Der müsse herausoperiert werden, mitsamt einem Teil des oberen Ohres, sagten die beiden behandelnden Ärzte. Alternativen gäbe es keine. Ich habe mich verabschiedet und gesagt, dass ich mich wieder melden werde.
03. Apr 15
Ich bin der Sklave eines Koreaners – und das freiwillig. Seit kurzem habe ich am Handgelenk einen Chef aus Südkorea, der mich kontrolliert, motiviert und mich fast besser kennt als meine Frau.
02. Apr 15
Sie errötete dauernd, wenn man mit ihr sprach. Bei unserer ersten Begegnung vor vielen Jahren wirkte Anna (Name geändert) unsicher, fast scheu. Doch ab und zu sprudelte es wie ein Bergbächlein aus ihr; ihre Augen leuchteten und ihre Hände erzählten davon, vieles anpacken zu können.
31. Mär 15
Akupunktur hat sich als erfolgreiche Therapie bei vielen Beschwerden bewährt. Doch Nadeln dürfen nur Ärzte oder Heilpraktiker anwenden.
30. Mär 15
«Ich hab dich zum Fressen gern.» Warum nur ist es so befremdlich, einen Toten zu essen? Laut dem französischen Kannibalen Nico Claux soll Menschenfleisch wie Pferdefleisch schmecken.
26. Mär 15
Technik geht uns alle an. Sie unterstützt, beschleunigt auf allen Ebenen und fasziniert. Die mechanische Technik unterscheidet sich von der Technik des menschlichen Handwerks, des professionellen Könnens.
25. Mär 15
Wirklich leckeres Essen zuzubereiten muss weder zeitaufwendig noch kompliziert sein, sagt der britische Journalist, Gastronom und Fernsehkoch Hugh Fearnley-Whittingstall. In seinem neusten Buch «light & easy» überzeugt er uns, kochtechnisch «einen Gang höher zu schalten».
24. Mär 15
Werden Dinge mit Auswertungen und Qualitätsmanagement wirklich besser? Das ist nie grundsätzlich untersucht worden. Evaluationen sind tabu.«Qualität» ist das lateinische Wort nicht etwa für «Güte», sondern für «Eigenschaft», oder das schöne Wort «Beschaffenheit».
15. Mär 15
Es ist zur Selbstverständlichkeit geworden, dass wir uns bei jedem Wehwehchen und auch in Fitness- und Schönheitsfragen der Medizin anvertrauen. Dies geht nicht nur auf Kosten der Krankenversicherungen; Millionen von Tieren haben dafür gelitten.
08. Mär 15
Oxytocin als Eheretter, Berührungen gegen Stress oder als Schutz vor Aggressionen – in seinem neuen Buch „Drück mich mal – warum Berührungen so wichtig für uns sind" zeigt der Mediziner Cem Ekmekcioglu, wie bedeutend unser fünfter Sinn ist.
03. Mär 15
An diesem Abend trauen sich die Leute nicht, zu klatschen. So sehr hat Orna Ralston ihr Publikum zutiefst mit althebräischen Psalmen und Gebeten aus dem Alten Testament ergriffen. «Es sind die Mantren, die unserer Kultur zugrunde liegen», sagt sie.
02. Mär 15
Der deutsche Filmemacher Clemens Kuby ist der wohl bekannteste ehemalige Querschnittgelähmte. 1981 fiel er vom Dach seines Hauses und brach sich den zweiten Lendenwirbel. Noch auf dem Weg in die Klinik war er bereit, seinen eingeschlagenen Lebensweg radikal zu verändern.
20. Feb 15
Wer viel Zeit hat und diese auch geniesst, gilt wenig in unserer Gesellschaft. Dies will eine repräsentative deutsche Studie herausgefunden haben. Die meisten Befragten setzen Ruhe und Müssiggang offenbar mit Faulheit gleich.
16. Feb 15
Das Erste, was an Ebola auffällt, ist das masslose Übergewicht des Themas in den Massenmedien. Über Wochen und Monate war Ebola ein Aufmacher, dabei ist diese Krankheit bei den Sterbefällen in Westafrika quantitativ nicht einmal eine Randnotiz.
13. Feb 15
«Nicht unser Tun bestimmt unsere Identität, sondern unser Nichtstun. Pausen strukturieren unser Leben, sie sind sozusagen die Satzzeichen unserer Existenz.» So beginnt Martin Millers Beitrag zum Buch «Pause bitte», einer Textsammlung herausgegeben von Ilse Oehler.