Fleisch als Bedrohung für die Menschheit

Am 10. Januar wurde der neue Fleischatlas veröffentlicht. Diesmal enthält er nicht nur Zahlen und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel, sondern zeigt Rezepte für eine bessere Tierhaltung auf

Umweltschützer fordern dazu auf, nur noch halb soviel Fleisch zu essen. © Patrick Tschudin

Kein Sektor trägt so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, zur Zerstörung des Klimas, zur Überdüngung und zur Gefährdung unserer Gesundheit bei wie die industrielle Fleischproduktion. Zu diesem Schluss kommt einmal mehr die aktuelle Ausgabe des Fleischatlas, den die Heinrich Böll Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Zeitung Le Monde Diplomatique am 10. Januar veröffentlicht haben.

Die fünf weltgrössten Fleisch- und Milchkonzerne emittieren mehr klimaschädliche Gase als der Ölriese Exxon

Tatsächlich stimmt die aktuelle Lage düster: Die Weltbevölkerung hat sich in den vergangenen 50 Jahren verdoppelt und die globale Fleischproduktion mehr als verdreifacht. Für kein anderes Konsumgut der Welt wird so viel Land benötigt wie für die Herstellung von Fleisch und Milch. Obwohl nur 17 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit von Tieren stammt, benötigen sie 77 Prozent des globalen Agrarlands.

Die maximale Steigerung durch Dünger und Pestizide endet vielerorts in ausgelaugten Böden, Krankheiten der Landbevölkerung und Wasserknappheit. Ausserdem: Die fünf weltgrössten Fleisch- und Milchkonzerne emittieren mehr klimaschädliche Gase als der Ölriese Exxon. Das liegt nicht allein am Methanausstoss verdauender Kühe, sondern vor allem daran, dass aufgrund der Futtermittelproduktion riesige Landflächen zusätzlich in die Intensivbewirtschaftung genommen werden.

©Fleischatlas 2018
© Fleischatlas 2018

Was also tun? Das haben sich die   Herausgeber des Fleischatlas 2018 gefragt und nicht wie üblich nur Zahlen und Fakten zum Tier als Nahrungsmittel zusammengetragen, sondern auch nach Rezepten für eine bessere Tierhaltung gefragt. Denn die ist von der Bevölkerung durchaus gewollt: Laut einer Umfrage des Bundeslandschaftsministeriums von 2016 sind inzwischen 88 Prozent der Deutschen bereit, mehr Geld für Fleisch auszugeben, wenn die Tiere besser gehalten werden. Dem steht laut den Herausgebern eine handlungsunwillige Politik gegenüber, doch die Zeit dränge: «Für die Menschheit ist die Parole «Mehr Fleisch!» kein Versprechen, sondern eine Drohung», schreibt das Trio im Vorwort.

Der Altas führt auf 50 Seiten Beispiele für eine bessere Tierhaltung entlang der Wertschöpfungskette auf: von der idealen Speisekantine, der kompletten Verwertung des Tieres, dem idealen Schweinestall oder den Möglichkeiten von Laborfleisch. Ein anderes Beispiel zeigt auf, wie die Tierhaltung intelligent mit anderen Nutzungssystemen kombiniert werden kann und damit teils neue Einkommensquellen erschlossen werden. Etwa Waldweiden und die Beweidung von Streuobstwiesen. So können Waldweiden die Artenvielfalt erhöhen, alte Tierrassen erhalten und zur Züchtung gefährdeter Arten anregen.

«Mit diesem Atlas möchten wir zeigen, dass es viele politische Instrumente gibt, die zu einem vernünftigen und grundlegenden Umbau der Tierhaltung führen können», schreiben die Hersteller im Vorwort und fügen hinzu: «Welche politischen Instrumente auch immer für den Wandel eingesetzt werden: Eine nachhaltige Fleischproduktion gibt es nur, wenn sich der Konsum verringert.»

Der Fleischatlas 2018 kann hier gratis bestellt oder heruntergeladen werden.

Vieles ist möglich, um Tierhaltung mehr am Tierwohl auszurichten. © Fleischatlas 2018
Vieles ist möglich, um Tierhaltung mehr am Tierwohl auszurichten. © Fleischatlas 2018