Der Hühner-Schwindel

Die Organisation «Tier im Fokus» veröffentlichte kürzlich neue Aufnahmen, die die grausamen Zustände in Schweizer Hühnerställen zeigen. Eine Petition soll endlich Abhilfe schaffen

© Tier im Fokus

Ende Januar veröffentlichte die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF) verdeckte Aufnahmen aus Schweizer Hühnerställen. Sie wurden ihnen von Tierrechtsaktivisten zugespielt und zeigen die grausamen Auswüchse der Massentierhaltung aus fünf Betrieben in den Kantonen Freiburg, Waadt und Bern: tausende Hühner auf engstem Raum, manche davon verletzt, sterbend oder tot.

Dabei fördert der Bund solche Zustände mit unseren Steuergeldern und bezeichnet sie gar als «besonders tierfreundlich», kritisiert TIF. Mit einer Petition an das Parlament will die Organisation nun Abhilfe schaffen. Sie zielt auf das sogenannte Tierwohlprogramm des Bundes für «besonders tierfreundliche Stallungen» (BTS) ab. «Wir fordern die Streichung der BTS-Gelder für Masthühner», sagt unser Autor und der Präsident von TIF Tobias Sennhauser. Rund 95 Prozent der Schweizer Hühner werden nach dem staatlichen BTS-Label gehalten, das grösstenteils eine Täuschung ist. «Wir können mit unserem Konsum etwas bewirken, aber letztlich müssen sich die Strukturen ändern», ist Sennhauser überzeugt. «In der Massentierhaltung kann der individuelle Tierschutz schlichtweg nicht gewährleistet werden.»

«Behörde und Justiz sind sich den Missständen längst bewusst und nehmen sie in Kauf» 

Strafanzeige gegen Betriebe eingereicht

Wenige Tage nach den Veröffentlichungen reagierte die Organisation Tier im Recht (TIR) und reichte gegen die betreffenden Betriebe Strafanzeige wegen mehrfacher Tierquälerei ein. «Die Aufnahmen zeigen klare Verstösse gegen die Grundsätze der Tierschutzgesetzgebung», sagt Vanessa Gerritsen, stv. Geschäftsleiterin von TIR. Das Gesetz verlange, sterbende und verletzte Tiere unverzüglich zu behandeln und, wenn nötig, schmerzlos zu töten. In den gezeigten Betrieben werde diese rechtliche Vorgabe gleich mehrfach missachtet.

Die Strafanzeige sei ein wichtiger Schritt, aber Sennhauser von TIF zweifelt, dass sich deshalb juristisch etwas ändern wird. «Behörde und Justiz sind sich den Missständen längst bewusst und nehmen sie in Kauf.» So sei etwa die Mortalitätsrate von ein bis vier Prozent ein offenes Geheimnis. «Aber nur weil es normal ist, heisst das nicht, dass es legal ist.»

Petition unterzeichnen unter: www.hühner-schwindel.ch

Quelle: www.tier-im-fokus.ch